Nashville Sessions, Teil III: Jetzt gilt’s!
Montag, 22. Oktober, 2007
Jetzt gilt's ernst: Alle Tracks ausser meiner Stimme sind aufgenommen worden. Es gibt keine Ausreden mehr! In den letzten Wochen überkam mich das Gefühl, dass ich das schwächste Glied in der Kette bin. Ich bin zwar gesegnet worden, mein Debutalbum mit Weltklasse-Musikern aufzunehmen, doch kann ich ihnen mit meinen Fähigkeiten nur annähernd das Wasser reichen? Nein, ich glaube nicht. Inzwischen habe ich jedoch realisiert, dass es nicht um meine Fähigkeiten geht. Diese 14 Songs sind Gottesgeschenke, und meine Aufgabe ist es, sie fertig zu produzieren, so gut ich eben kann, ohne mich dabei zu überfordern. Und doch ertappe ich mich immer wieder wie ich versuche, zu viel zu tun und vor Menschen möglichst gut zu klingen bzw. dazustehen. Ich weiss, dass dies unsinnig ist, und doch passiert’s. Heute hatten wir z.B. ein Mic Shootout, da ich herausfinden wollte, welches Mic wohl am besten zu meiner Stimme passt. Wir hatten einige phänomenale Pre-Amps und Vintage Mics am Start (im Bild: die 60-jährige Legende, Neumann U-47). Doch war dies nötig? Wird es einen Unterschied machen? Es ist eine sehr feine Linie zwischen echtem Streben nach Exzellenz und selbstsüchtigem Perfektionismus. Ich bin immer noch am Lernen... und das gibt mir wieder Hoffnung!
Dienstag, 11. September 2007
Dies ist lediglich ein kurzer, nostalgischer, jedoch hoffentlich äusserst wirkungsvoller Werbespot für meine wunderschöne Heimat, die Schweiz :)) In zwei Wochen fliege ich für längere Zeit in die USA, ich hatte viel los in letzter Zeit und so entschied ich mich, in die Berge zu entschwinden und nochmals die Schönheit und Majestät «unserer» Alpen aufzusaugen. So verbrachte ich zwei wunderbare Tage als einsamer Wanderer im
Lauterbrunnental (Unesco Welterbe. Stechelberg - Hotel Obersteinberg - Oberhorn - Oberhornsee - Läger). Es fehlen mir die Worte, die atemberaubende Vielfalt zu beschreiben, die ich gesehen habe, von Bergen über Wasserfällen, Bächen und Wäldern zu Tieren und Pflanzen. Ich konnte über die Einzigartigkeit und Schönheit dieser Gegend nur noch staunen. Und das Komische, aber Typische ist: Diese Wunder sind bloss 2-3 Stunden vom Mittelland entfernt, doch ich nehme mir kaum je Zeit dafür! Ich fordere mich und uns alle heraus, öfter auszubrechen, Arbeit und Alltag hinter uns zu lassen, runterzufahren und die Seele baumeln zu lassen. Wie heisst es doch: Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah!
Letztes Konzert mit der Schweizer Band
Montag, 27. August 2007
Letzten Freitag spielte ich mein letztes Konzert mit meiner Schweizer Band vor meiner Abreise nach Nashville. Die Kulisse war schlicht atemberaubend, spielten wir doch an einem gemütlichen Open Air im Berner Oberland, mit Sicht auf den Niesen und den Thunersee. Wir alle genossen es, nochmals miteinander die Post abgehen zu lassen! Es war wohl unser bester Auftritt überhaupt. Natürlich schlich sich auch ein wenig Wehmut ein, denn wir wissen nicht, wann und ob wir wieder miteinander spielen werden. Glaubt mir, ich werde meine Band vermissen, sie sind quasi meine Familie. Dennoch bin ich überzeugt, dass es der richtige Schritt zur richtigen Zeit ist: meine wunderbare Band loszulassen, meine Heimat zu verlassen und für eine Weile in die USA zu ziehen, um mein Debutalbum fertigzustellen und dann hoffentlich dort auch zu spielen, spielen, spielen. Die Verwirklichung unserer Träume bedeutet oft, dass wir wahrhaft gute Dinge loslassen müssen – nur um dann die BESTEN Dinge empfangen zu können. Was auch immer geschehen mag, Ich genoss die Zeit mit meiner Schweizer Band sehr, und ich bin zuversichtlich, dass wir eines Tages wieder zusammenkommen und noch mehr Spass haben werden als zuvor!
Donnerstag, 16. August 2007
Obwohl ich damals erst 6 Jahre alt war, erinnere ich mich noch genau an den Tag, an dem Elvis starb – vor exakt 30 Jahren. Meine Mutter und ich verfolgten im Fernsehen die ARD-Nachrichten, als der Tod des Kings gemeldet wurde. Ich erinnere mich, traurig gewesen zu sein, denn ich hatte mir schon von klein auf (ich war wohl 4 oder 5) immer wieder Elvis Songs angehört und nachgesungen, und zwar v.a. die frühen Sachen: Hound Dog, That's Alright Mama, Blue Suede Shoes, etc.. Ich stellte mich oft sogar samt Mikrophon vor den Spiegel, sang die Songs nach und imitierte Elvis’ Bewegungen. Meine Mama hatte die Schallplatten gekauft und zu Hause abgespielt, und so war Elvis wohl mein erster grosser musikalischer Einfluss. Er besass zweifellos ein ausserewöhnliches und einzigartiges Talent. Wie schade, dass eine solch wunderbare Gabe durch Ruhm, Geld und Erfolg ruiniert wurde. Ich werde jedenfalls den jungen, fröhlichen und lebendigen Elvis in Erinnerung behalten, denjenigen, dessen Musik mich zum Singen und Tanzen brachte, sogar als ich noch ein ganz kleiner Knirps war ...
Montreux Jazz Festival 2007
Dienstag, 17. Juli 2007
Nach einigen Jahren Unterbruch besuchte ich letzte Woche das Montreux Jazz Festival, und das gleich zweimal. Mit seinem unvergleichlichen Setting, dem See, den Bergen sowie dem internationalen und ausgelassenen Publikum hat Montreux trotz der Kommerzialisierung nichts von seinem Zauber verloren. Zuerst verband ich einen Besuch meiner Nashville-Freunde Jeni & Rory (it's a small world!), die täglich gemeinsam mit meinem Gitarristen Steve an der Promenade spielten, mit dem Konzert von AL JARREAU & GEORGE BENSON. Vor allem Benson überzeugte mich mit seinen einzigarten Unisono-Scat-Parts, die trotz Bensons Alters nichts an Frische eingebüsst haben!
Drei Tage später ging es musikalisch noch mächtiger ab: Der blinde Gitarrist und Sänger RAUL MIDON (s. Bild) begeisterte uns alle mit seiner bewegenden und schlicht phantastischen Solo Performance: eine wunderbare soulige Stimme, erstklassige Songs und virtouses Gitarrenspiel. Ein Erlebnis! Im Herbst kommt Raul wieder nach Europa: Geht hin! Und kauft Euch auch das neue Album (September, EMI)! Am selben Abend folgte der nächste Knüller: Die Gitarrenlegende JEFF BECK spielte mit seinen hochkarätigen Freunden VINNIE COLAIUTA (drums), JASON REBELLO (keys) und TAL WILKENFELD (bass) solch kraftvollen und hochklassigen Fusion-Blues-Funk, dass es uns allen fast den Atem verschlug. WOW! Vinnie Colaiuta zeigte mit seiner Präzision und gleichzeitig mit seinem Feeling, dass er absolute Weltklasse ist. Ich kann immer noch kaum glauben, dass solch ein Musiker 13 Songs auf meinem Album eingespielt hat! Ausserdem begeisterte uns die junge Bassistin Tal Wilkenfeld: das Mädel groovt, dass es nur so kracht! Es waren schöne und inspirierende Tage in Montreux, die mich selber wieder ermutigten, neue Songs zu schreiben und an meiner Stimme zu arbeiten.
Freitag, 29. Juni 2007
Gestern Abend war ich Zeuge des fulminanten Live-Gigs der unglaublichen US-Band MUTEMATH im Abart Zürich. Diese unkonventionelle Performance voller unbändiger Energie, Spielfreude und musikalischer Exzellenz war überwältigend! Selten zuvor habe ich einen derart dynamischen und mitreissenden Auftritt miterlebt (das will etwas heissen...). Phantastisch! Ich prophezeie, dass MUTEMATH mit ihrem einzigartigen Sound (einer Mischung aus alten U2, Police, New Wave und Electronica) bald ein höchst poplärer Act werden. Solche musikalische Qualität gepaart mit ausserordentlichem Live-Charisma wird ihren Weg gehen. Schaut mal nach unter:
www.mutemath.com
www.myspace.com/mutemath
Dienstag, 29 Mai 2007
Nach fünf super Jahren beim Konzertveranstalter All Blues habe ich mich nun entschieden meinen Traumjob als Promotion Manager aufzugeben, um mich komplett auf die Fertigstellung des Debutalbums konzentrieren zu können. Ausserdem muss ich meine wunderbare Schweizer Band loslassen, da ich die Jungs in der Zwischenzeit nicht in der Luft hängen lassen kann, was eine schwierige, aber bestimmt die richtige Entscheidung war. Nun kann ich vermehrt üben und mich auf den nächsten US-Trip vorbereiten. Im Herbst werde ich für mindestens drei Monate nach Nashville fliegen, um dort die Lead Vocals aufzunehmen, das Album mischen und mastern zu lassen, das passende Label zu suchen und schliesslich zu spielen, spielen, spielen. Und dann schaumer mal :)) Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf diese Zeit!
WUNDERbare Wochen in Nashville!
Montag, 7. Mai 2007
Ich bin wieder zurück von meiner Reise nach Nashville, und ich kann sagen: Ich hatte zwei phänomenale Wochen in Tennessee! Die GMA Week, wo sich Künstler, Labels und Agenturen der Gospelbranche aus aller Welt treffen, war für mich ein grosses Erlebnis. Ich hatte so viele göttliche Begegnungen mit alten wie neuen Freunden, Produzenten, Branchenleuten sowie Künstlern (z.B. Kirk Franklin im Bild oben), dass es schlicht überwältigend war. Es schien, als meine Schritte und Entscheide klar geführt und arrangiert waren (und das waren sie auch :)). Ausserdem war ich überrascht, welche positive, ja teils euphorische Resonanz meine Musik hervorrief - von Profis aus den USA! Gott hat mir viele Türen geöffnet während dieser Zeit, und ich bin zuversichtlich, dass ich bald wieder hier sein werde...
Wieder auf der Bühne!
Montag, 4. Dezember 2006
Was war das für eine Freude, nach einem Jahr mit der Band wieder auf der Bühne zu stehen! Wie Ihr seht, hatten wir grossen Spass während unseren Live-Auftritten im Zürcher Trattoria & Soul, welches an beiden Abenden bestens besucht war. Das Publikum liess sich mitreissen und die Stimmung war klasse! Die zwei Gigs waren für uns eine Bestätigung, den eingeschlagenen Weg, gerade auch als Kleinformation, weiter zu verfolgen. Für mich persönlich sind Konzerte immer eine Gelegenheit, etwas zu riskieren und aus Fehlern zu lernen – immer wieder. Und die Herausforderung und Frage bleiben: Nach welcher Anerkennung sehne ich mich? Der des Publikums oder der des Vaters und Schöpfers, der mir alle Gaben geschenkt hat?
jazznojazz 2006
Montag, 6. November 2006
Zurück Nashville, hatte mich das Tagesgeschäft wieder: Promotion für Konzerte, denn nun stand das jazznojazz-Festival in Zürich vor der Tür (1.-4. Nov.), mit Acts wie Brad Mehldau, Manu Katché oder MeShell Ndegeocello. Nach dem PR-Schlussspurt konnte ich die Konzerte geniessen. So war ich z.B. begeistert von Joe Lovanos Nonet, dessen Gratwanderung zwischen Arrangement und Improvisation atemberaubend war. Leider verpasste ich den grossartigen Auftritt des blinden Sängers und Gitarristen Raul Midón (Bild rechts) wegen einer Probe. Aber ich will bereit sein für die eigenen Gigs und so musste ich dieses Opfer in Kauf nehmen. Wir werden Raul Midón sowieso wieder buchen...
Dinner im Gefängnis
Donnerstag, 26. Oktober 2006
Gestern Abend luden mich die Pennells zum Abendessen an einem kuriosen Ort ein: Monell's in Franklin ist ein 100-jähriges Gefängnis, das kürzlich in ein Country-Style Restaurant umfunktioniert wurde. Das Essen kann man sich nicht aussuchen, dafür werden leckere Gerichte in Hülle und Fülle um den grossen Tisch gereicht, den man sich im übrigen zwingend mit fremden Leuten teilt. Es war eine wunderbare Erfahrung. Ich bin jedoch froh, dass ich nicht vor 100 Jahren hier gelandet bin! Übersatt mischten Marcelo und ich dann die Songs 5 und 6. Ich glaube, ich hörte die Vögeln zwitschern, als ich schliesslich frühmorgens ins Bett kam...
Nashville Sessions, Teil II
Montag, 9. Oktober 2006
Ich bin gut in Nashville angekommen, und es ist erfrischend und inspirierend, wieder hier zu sein! Ich werde diesmal meine Lead Vocals in Angriff nehmen und danach die fertigen Songs mischen lassen. Zuvor haben wir heute jedoch das letzte fehlende Instrument aufgenommen: die Perkussion. Darrell Tibbs (Bild) hat einen phantastischen Job gemacht! Er ist ein kreatives Groove-Genie, das alle möglichen und auch wirren Perkussionsinstrumente einsetzt und so meinen Songs eine sehr geschmackvolle Note hinzugefügt hat. Die Aufnahmen mit ihm waren schlicht ein Erlebnis!
Aretha Franklins Amazing Grace
Sonntag, 24. September 2006
Nach langer, langer Zeit habe ich mir heute wieder einmal Aretha Franklins legendäres Amazing Grace Album angehört (Atlantic Records, 1972). Wie immer hat es mich umgehauen! Schon der erste Song, «Mary, Don't You Weep» berührt das Herz JEDES Zuhörers, ob nun gläubig oder nicht. Arethas einzigartige Stimme, die Energie, der Aufbau, die Stimmung! Da ist die Hühnerhaut garantiert. Wer das Album noch nicht hat, soll unbedingt reinhören. Ihr werdet es nicht bereuen!